Eliten-Bashing

Am 29.1.2017 war der (nicht mehr ganz) neue Kanzlerkandidat [Martin Schulz, SPD] bei Anne Will. Seitdem hat es den Anschein, dass sowohl Journalisten als auch Politiker inzwischen langsam begonnen haben umzusteuern. Das wird höchste Zeit, es könnten sonst im Herbst schlimme Dinge passieren.

Man scheint inzwischen zu begreifen, dass es nicht reicht, dem "dummen" Pöbel seine Dummheit vorzuhalten und ihm zu erzählen, wie gut es uns allen doch geht. Mal abgesehen davon, dass das auch einfach nicht stimmt (wer vergleicht sich denn mit Hunger- und Bürgerkriegsopfern in Afrika anstatt mit seinen unmittelbaren Nachbarn?).

"Schuld" haben Brexit und Donald Trump. Viele haben (zumindest ist das zu hoffen) die beiden nicht gewählt, weil sie die so großartig finden. Sie haben die Schnauze voll von unseren sogenannten und selbsternannten Eliten.

1. Politik

Die Politiker reden von den Werten des Westens, der Demokratie und der Freiheit. Gleichzeitig treten sie diese Werte mit Füßen:

Whistleblower (Chelsea Manning, Edward Snowden) werden ins Gefängnis gesteckt oder müssen Asyl suchen bei "lupenreinen" Demokraten. Dabei müssten sie eine Orden für Zivilcourage erhalten. Unsere Regierung hatte nicht die Courage, Edward Snowden Asyl anzubieten. Ja, sie (oder zumindest einige CDU-Politiker) hat ihm sogar vorgehalten, dass er nach Russland gegangen ist. Ja, wo sollte er denn sonst hingehen?
Unsere Regierung geißelt die DDR wegen ihrer Statsi-Methoden und baut gleichzeitig einen Überwachungsstaat auf, von dem die Stasi nicht zu träumen gewagt hätte. Natürlich alles im Namen der Terrorbekämpfung.
Der Westen, allen voran die USA, schert sich einen Dreck um Völkerrecht und ähnliche Dinge. Manche missliebige Diktatur wird weggebombt (ohne sich darum zu kümmern, was danach kommt), an andere Diktaturen werden Waffen geliefert. Gleichzeitig ereifert man sich über die "bösen" Russen. Zweifellos sind die Russen "böse" (eigentlich eine falsche Vokabel, doch das wäre eine eigene Betrachtung wert), aber der Westen ist schlimmer. Denn bei ihm kommt die Scheinheiligkeit dazu. Er tut die gleichen Dinge, aber im Namen des Guten. Er faselt vom Rechtsstaat, aber eliminiert Bin Laden und seine Familie in seinem Haus in Pakistan (ohne dass Pakistan informiert war). Wenn der Westen seine Werte exportieren will, dann muss er diese zuallererst selber respektieren!!! Dann hätte Bin Laden vor ein Gericht gehört und Obama gehört der Friedensnobelpreis aberkannt und wegen Mordes ebenfalls vor Gericht gestellt.

2. Wirtschaft

Ein weiteres interessantes Feld ist die zunehmende Umverteilung von unten nach oben. Diese ist zu verantworten wiederum von unserer politischen und außerdem von unserer wirtschaftlichen "Elite". Man fordert unisono, den Gürtel enger zu schnallen. Aber natürlich nicht von sich selber. Man ist ja schließlich Elite. Diese Elite betreibt Steuerhinterziehung, Korruption und Ausbeutung. Sie ordnet die Manipulation von Abgaswerten an, aber hat natürlich von nichts gewusst. Fette Boni sind selbstverständlich, während die eigene Firma Verluste schreibt und die kleinen Leute seit Jahren (wenn nicht Jahrzehnten) Reallohnverzicht üben. Eine Vermögenssteuer (die es in den kapitalistischen Mutterländern England und USA gibt) würde die Eliten vergraulen! Das Wirtschaftssystem ist eng verfilzt mit dem politischen System, eine Krähe hackt der anderen kein Auge aus.

3. Medien

Auch die Medien haben versagt. Insbesondere am Anfang haben sie extrem einseitig berichtet, friedliche Demonstranten in einen Topf geworfen mit Neonazis. Und dann waren sie beleidigt über den Begriff "Lügenpresse". Man hätte auch "Unwahrheitspresse" sagen können, aber dieser Begriff ist doch etwas unhandlich. Mag sein, dass dies eine Vokabel aus der Nazipropaganda ist. Aber die Vorlage dazu haben die Medien selber geliefert. Sogar meinen geliebten Deutschlandfunk kann ich von diesem Vorwurf nicht ganz freistellen.

Noch einmal zurück zur Politik

Unser politisches System ist krank. Alle vier Jahre werden wir aufgefordert zu wählen. Doch leider gibt es nichts zu wählen außer Parteien. Die Parteien sollen eigentlich an der politischen Willensbildung mitwirken, sie aber nicht völlständig für sich okkupieren!
In der Tat haben die Wähler in Deutschland keinen unmittelbaren Einfluss auf die Dinge. Sie werden nicht gefragt, ob sie Mitglied der EU sein wollen, ob sie Soldaten nach Mali schicken wollen oder ob ihre Steuern zur Rettung von (angeblich Griechenland, tatsächlich von) faulen Bankkrediten ausgegeben werden sollen. Wir können nicht mal unseren Bundespräsidenten selber wählen (wahrscheinlich, weil es eh nur ein Grüßaugust ist). Das ist lächerlich.

Es ist kein Wunder, dass die Leute genug haben von dieser Scheindemokratie. Sie wählen die einzige Alternative, die sie haben, die Populisten am Rande des Parteienspektrums, oder sie wählen gar nicht, was ebenfalls den Rändern zugute kommt. Das ist extrem gefährlich, weil diese Populisten die Probleme natürlich auch nicht lösen werden bzw. sich die Probleme sogar noch verschärfen werden. Doch was sollen die Wähler tun? Wenn sie die CDU oder SPD wählen, würde das als Zustimmung interpretiert.

Und hier wird es paradox: Vielleicht ist dieser unsägliche Trump unsere letzte Chance, unser letzter Trumpf. Vielleicht ist er ein Teil von jener Kraft, die zwar stets das Böse will, doch stets das Gute schafft. Vielleicht wird es unter ihm so schlimm, dass sich die "Eliten" endlich darauf besinnen, dass auch sie eine Verantwortung tragen. Dann trügen sie ihren Namen zu Recht.

michael, 10.5.2017